| Neuer Klimawindkanal bei Modine Bei strahlendem Sonnenschein wurde in am 16. Juni das TechCenter von Modine Europe eingeweiht. Zugleich hieß es "Wind-on" für den neuen Klimawindkanal. Der Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, Walter Döring (inzwischen zurückgetreten), ließ es sich nicht nehmen, im Beisein des Top-Managements von Modine und zahlreicher prominenter Gäste aus Industrie und Behörden, persönlich den Startknopf zu drücken. Mit weißem Nebel und bei bengalischer Beleuchtung briste der aus der Düse kommende Wind von einem lauen Lüftchen zu einem wahren Sturm auf. Der Klimawindkanal von Modine ist in "Göttinger Bauweise" ausgeführt, d.h. die Luft wird in einem geschlossenen Kreislauf umgewälzt. Das Axialgebläse mit einer Antriebsleistung von 1,3 MW fördert die Luft durch einen mächtigen Diffusor zu einem großflächigen Wärmetauscher, der sie auf die gewünschte Temperatur bringt. Von dort geht es über zwei beschaufelte Umlenkecken in eine riesige Vorkammer, in der die Luft beruhigt wird. Anschließend wird sie in der Düse beschleunigt und in die Messstrecke geblasen. Nach Umströmung des Fahrzeugs wird sie an deren Ende von einem Kollektor eingefangen und über zwei weitere Umlenkecken erneut dem Gebläse zugeführt. Die Lufttemperatur kann beliebig zwischen 20 und 55°C gewählt werden. Da der Kanal gleichermaßen der Entwicklung wärmetechnischer Systeme - Motorkühlung, Heizung und Klimaanlagen - sowohl von Pkw als auch von Nutzfahrzeugen dient, wurde seine Düse so konstruiert, dass sie an deren unterschiedliche Anforderungen schnell angepasst werden kann. Der erste Teil ihrer Kontraktion ist fest eingebaut, der zweite dagegen ist auswechselbar. Wird ein Pkw untersucht, wird die kleine Düse eingesetzt: Ihr Austrittsquerschnitt beträgt 5,4 m2 und erlaubt es, die Windgeschwindigkeit bis auf 250 km/h zu steigern. Ist ein Lkw oder ein Bus an der Reihe, dann wird die große Düse verwendet. Die kleine wird beiseite gerollt, die große mit zwei seitlichen Klappen konfiguriert. Mit einem Querschnitt von 12 m2 lässt sie eine maximale Windgeschwindigkeit von 100 km/h zu. Mit 15 m ist die Messstrecke ungewöhnlich lang; sie kann selbst große Reisebusse aufnehmen. Unter dem Boden der Messstrecke sind hintereinander zwei Rollenprüfstände installiert. Front-, heck- und allradgetriebene Fahrzeuge können damit bis zu einer Leistung von 300 kW (vorn) und 450 kW (hinten) gebremst oder angetrieben werden. In der großen Halle, von der die Messstrecke umgeben ist, wurde Platz für eine Sonnenlichtsimulation vorgehalten, und auch eine Erweiterung des Temperaturspektrums bis auf -20°C ist vorgesehen. Zunächst aber werden die Versuche bei tiefen Temperaturen in einer großen Klimakammer gefahren, die im gleichen Gebäude untergebracht ist. Sie ist allemal kostengünstiger zu betreiben, als ein Windkanal. Der neue Klimawindkanal wird vorwiegend durch eigene Versuche ausgelastet, aber er kann auch gemietet werden, von Entwicklern und von Organisationen, die sich der Prüfung von Fahrzeugen und deren Systemen annehmen. Repräsentanten von Dekra und ADAC bekundeten ihr Interesse.
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